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Die Burg Tierberg entstand in der Zeit des großen Burgbaubooms in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts unter dem Stauferkaiser Friedrich II (1212–1250), als dieser das Befestigungsprivileg mit der confoederatio cum principibus ecclesiasticis von 1220 den geistlichen Fürsten verlieh. Daraufhin übertrug der Würzburger Bischof dieses Recht seinem Lehensträger, dem Herrn von Langenburg. Dieser ließ 1226 durch einen seiner Ministerialen die Burg Tierberg errichten, der sich nun »Arnold von Tierberg« nannte. Später ging die Herrschaft Langenburg auf die Herren von Hohenlohe über.
Die Burg wurde an der felsigen Spitze eines Bergsporns auf einem trapezförmigen Bauplatz, 84 m lang und 48 m bzw. 20 m breit errichtet. Sie musste auf zwei der drei Seiten nach Norden und Süden nicht befestigt werden, weil sie dort wegen steiler Hänge über den etwa 140 m tiefen Bachtälern des Weilersbaches und des Hirschbaches praktisch uneinnehmbar war. Nur die dritte Seite nach Osten war gefährdet und wurde deshalb durch einen tiefen Graben und durch die extrem hohe Schildmauer abgesichert.
Der steinerne Pallas hatte zwei Schlafgemächer, einen Wohnraum, mehrere Aborterker, den in den Fels gehauenen Keller mit Küche und Raum für Knechte, Pferde, Hunde, Waffen, Pech und Schwefel. Der Keller war versehen mit spitzbogigen Schlitzen an den Wänden für das Tageslicht, aber nicht als Schießscharten, denn Feuerwaffen gab es noch nicht und für Bogenschützen waren die Schlitze zu klein.
Die Schildmauer im Osten als Schutz der Burganlage zur Bergseite war zunächst nur wenige Meter hoch und wurde erst später auf die endgültige Höhe weitergebaut. Der Burggraben davor war 70 m lang und bis zu 14 m tief, entstanden durch die Entnahme von Steinbrocken zum Bau der Burg und der Mauer. Der als Bergfried dienende Turm ist in die Mauer integriert. Er musste so hoch sein, dass man das Gelände über die leicht ansteigende Bergseite hinweg überwachen konnte. Im Keller des Turms befanden sich ein Verlies und eine Zisterne zum Sammeln des Regenwassers und für eine dort geschaffene Quelle.
Die Burg diente vermutlich der Sicherung der nahen Handelsstraßen in dieser Gegend: Das war einerseits die West-Ost-Achse, die schon im Nibelungenlied genannt wird. Sie verlief auf alten Römerstraßen, überquerte den Rhein bei Speyer und Worms, den Neckar bei Wimpfen, und führte teils über Öhringen zur Donau bei Passau teils als »Hohe Straße« (heute noch in Karten so genannt) zur Reichsstadt Rothenburg. Andererseits gab es die Nord-Süd-Achse, die 2 km östlich der Burg Tierberg verlaufende, für den Salzhandel wichtige Handelsstraße (in früheren Urkunden auch »Wilde Straße« genannt), die von Schöntal nach Hohebach und entlang der beiden Flüsse nach Süden zur Schwäbisch-Haller Landhege führte.
1232/1235 erlangten die Herren von Hohenlohe würzburgisch-bischöfliches Passivlehen an Burg und Herrschaft Tierberg. Damit wurden die Herren von Tierberg zu hohenlohischen Vasallen. Als diese später auswanderten, ging die Burg in den unmittelbaren Besitz der Herren von Hohenlohe über.
1387 verkaufte Ulrich von Hohenlohe wegen finanzieller Notlage die Burg und Herrschaft Tierberg zu einem Schleuderpreis von 1250 Gulden an zwei seiner Diener, den Sigmund von Stetten und an den hohenlohischen Vogt von Langenburg Zürch I von Stetten. Doch der Bruder Gottfried III von Hohenlohe widersprach dem Verkauf. Es kam darüber zu Familienstreitigkeiten. Als jedoch 1391 Gottfried III von Hohenlohe vom Oberlehensherren über die Burg Tierberg, dem Erzbischof von Trier, einen Lehensbrief über Tierberg erhalten hatte, klagte er 1398 beim geistlichen Gericht zu Würzburg gegen Sigmund und Zürch I von Stetten auf Herausgabe von »Schloss Thierberg mit seinen Zugehörden« und auf Schadensersatz wegen 12 Jahre lang unberechtigt bezogener Nutzungen von jährlich 120 Goldgulden. 1402 endete der Prozess durch einen Vergleich. Ein neuer Kaufvertrag wurde geschlossen zum Preis von 1900 Rheinischen Goldgulden und mit einem Wiederkaufsrecht zugunsten Hohenlohes.
 

 
Als 1474 die Herren von Hohenlohe, die inzwischen in den Grafenstand aufgestiegen waren, von ihrem vertraglichen Wiederkaufsrecht Gebrauch machten und die Herren von Stetten sich widersetzten, wurden diese 1475 von den Grafen von Hohenlohe und ihren bewaffneten Reitern gewaltsam aus der Burg Tierberg vertrieben. Damit begann die 20 Jahre anhaltende Tierberger Fehde. Es war das einzige nennenswerte Ereignis in der Geschichte der Burg. Darüber berichtet erstmals vollständig und mit neuen Erkenntnissen das 2004 erschienene Buch von Dr. Eberhard Bechstein »Die Tierberger Fehde«.
 

Die Abbildung zeigt Burg Stetten und den Grafen Hohenlohe.

 
In dieser Tierberger Fehde kämpften bis Ende 1488 die Grafen Albrecht II und Kraft VI von Hohenlohe gegen ihre Vasallen, die Ritter Simon II und Kilian von Stetten. Diesen Teil der Fehde hatten diese beiden adligen Familien jedoch vor allem auf dem Rücken ihrer bäuerlichen Untertanen ausgetragen. Aber plötzlich spielte im Jahre 1489 die Tierberger Fehde für einen historischen Augenblick eine Rolle im großen verfassungsrechtlichen Streit der Kurfürsten gegen den Kaiser um die Reichsreform. Dieser Vorgang konnte erst jetzt aus bisher verborgenen Urkunden entdeckt und dargestellt werden. 1495 endete der prozessuale letzte Teil der Tierberger Fehde durch eine Berufungsentscheidung des Mainzer Erzbischofs.
Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Burg keine nennenswerten Schäden, obwohl die Gegend stark heimgesucht, zahlreiche Dörfer verwüstet und viele der Bewohnerfamilien vernichtet oder vertrieben wurden. Nur 17 km nördlich Tierbergs tobte 1645 die Reiterschlacht bei Herbsthausen, bei der die Franzosen des Marschalls Turenne durch die Bayern entscheidend geschlagen wurden. Mit dem Frieden von 1648 kam auf die hohenlohische Bevölkerung eine Kriegsschuld von 17000 fl. Goldgulden, die an Schweden bezahlt werden musste.
Im Jahre 1657 stellte man durch Augenschein fest, dass umfangreiche Reparaturen an dem »baufälligen Schlösslein« notwendig waren. 1682 wurde der Zustand der Burg in einem »Döttinger Jurisdictionalienbuch« erneut bemängelt. Die nun entstandenen Kosten der Renovierung betrugen 953,20 fl. 1699 errichtete man in der Südostecke des inneren Burghofes, in dem »Spacium, so zwischen dem Thurm und der Mauer befindlich« also an den Bergfried angelehnt, einen neuen Küchenbau. 1719 erfolgte ein weiterer erheblicher Umbau.
Als 1737 Graf Friedrich Eberhard von Hohenlohe-Kirchberg starb, folgte ihm mit Graf Carl August ein besonders baufreudiger Herr. Er ersetzte 1746 die Zugbrücke der Burg durch einen Steinbau. Sein Nachfolger Fürst Christian Friedrich machte aus der Burg ein fürstliches Jagdschlösschen. So ließ er 1778 das baufällig gewordene Torhaus abbrechen und das Tor stattdessen »mit zwey gemauerten Pfeilern, ohne Bogenverbindung« wieder herstellen. 1805 hat er trotz drohender napoleonischer Eingriffe in Tierberg weitere Baumaßnahmen ergriffen. Er ließ zwischen Palas und Schildmauer das zweigeschossige Wohnhaus errichten und 1809 das Jägerhaus für 1323,36 fl. renovieren und erweitern. 1820/22 hat sein Nachfolger Fürst Ludwig, genannt Louis von Hohenlohe-Kirchberg den Bergfried-Turm repariert und neu gedeckt, alle Zimmer im Schloss erneuert und den Flügelbau verputzt. 1834 wurde nach dem Plan des Hofzimmermannes Schillinger an der Südwestecke der äußeren Ringmauer für Stallung und »Zehntscheuer« ein Steinbau mit großem Gewölbekeller und tonnengewölbtem Zugang neu errichtet.
1863 ging Tierberg an die Linie Hohenlohe-Langenburg über. 1913 starb nach 50 Jahre langer Regierungszeit Fürst Hermann von Hohenlohe-Langenburg. Im gleichen Jahr 1913 gelangte die Burg Tierberg unter dem Pseudonym »Schloss Schweigen« zu literarischer Berühmtheit. Darüber siehe unter »Was wurde über die Burg geschrieben«.
1974 verkaufte Fürst Kraft von Hohenlohe-Langenburg die mit denkmalsrechtlichen Renovierungsverpflichtungen belastete Burg an einen modernen Künstler. Die Burg verlor den Charakter des fürstlichen Jagdschlösschens, den einst der leidenschaftliche Jäger Fürst Christian Friedrich Carl und sein künstlerisch begabter Bruder Prinz Friedrich Wilhelm geschaffen hatten. Seither hängen an den Wänden nicht mehr die etwa 3500 Hirsch- und Rehgeweihe des Fürsten und die zahlreichen Federzeichnungen des Prinzen. Am Eingang sind statt Hirschgeweihen nunmehr bäuerliche Geräte angebracht worden. Auch die Erinnerung an Agnes Günthers »Heilige und ihr Narr« kann von ihren literarischen Liebhabern nicht mehr nachempfunden werden.
1976 verkaufte der Künstler die Zehntscheuer und das Jägerhaus weiter.


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